Bericht 3. Online-Konferenz- In Zukunft anders denken bei Wohnen, Energie und Mobilität

Im Rahmen der Auseinandersetzung mit einer resilienten Entwicklung der LEADER-Region Dachau-AGIL lag das Hauptaugenmerk am 28. März in der Zukunft der Daseinsvorsorge und es wurden zukünftige Ansatzpunkte für die Bereiche Wohnen, Energie, Mobilität und Nahversorgung diskutiert. „Vieles, was früher selbstverständlich war, müssen wir anders denken, damit ein gutes Leben in unserer Region möglich bleibt“, fasste der 1. Vorsitzende, Bürgermeister Marcel Fath die Ergebnisse der 3. Online-Konferenz zusammen.

Ausgangspunkt der Diskussionsrunde war der Demographiespiegel für Bayern, wonach die Einwohnerzahl im Landkreis Dachau weiter deutlich zunehmen und nach den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes bis zum Jahr 2040 einen Stand von rund 171.400 Menschen erreichen wird. Im Vergleich zu 2020 ist das ein Plus von 10,5 Prozent. Bayern hingegen wächst „nur“ um 3,9 Prozent. Da laut Prognose die Altersgruppe über 65-Jährigen im Landkreis deutlich ansteigen wird, wurde zunächst die Barrierefreiheit notiert, die heutzutage bei allen Vorhaben berücksichtigt werden muss, aber nicht nur den älteren, sondern allen Menschen zugutekommt. „Alles für alle planen“ lautet die Richtschnur und als Beispiel wurden „gekieste Wanderwege“ genannt, die bereits mit Hilfe des LEADER-Förderprogramms umgesetzt worden sind. Eine stärkere Rolle werden in Zukunft auch Aspekte wie Sehschwäche, Einsamkeit und Demenz spielen, wurde eingeschätzt und neue Wege im Bereich der Pflege geht zum Beispiel Holland.

Ein weiterer Punkt waren Modelle für neue Wohnformen. Aktuell wird beispielsweise in Pfaffenhofen an der Glonn ein Mehrgenerationenhaus mit Aufenthaltsraum im Erdgeschoss geplant. In Planung ist zurzeit auch ein Mehrgenerationenhaus In Bergkirchen, dort ist eine Genossenschaft der Träger. Und in Altomünster wird ein Bürgerhaus vorbereitet: „Wir wollen damit im Ortszentrum einen Treffpunkt schaffen und Alt und Jung wieder zusammenzubringen“, konnte eine Initiative ausführen. Probleme können für ältere Menschen auch die steigenden Kosten von großen Häusern sein oder die Arbeit, die damit verbunden ist. Hierzu wurden Ansätze wie ein Wohnungstausch zwischen Alt und Jung sowie Wohnen für Hilfe aufgezählt, bei der Studierende ein Zimmer gegen Unterstützung im Haushalt erhalten. „Studenten wollen aber meist lieber in der Stadt wohnen“, wurde das im Chat eingeschränkt. Eine Alternative zum Auszug aus dem eigenen Haus kann auch ein Umbau sein, wo in jedem Stockwerk eine eigene Wohnung entsteht. Außerdem wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, die Planung von neuen Wohnungen nicht sektoral, sondern ganzheitlich zu gestalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass in größeren Wohngebieten auch die Infrastruktur wie z. B. Kindergarten vorhanden sein sollte. Für mehr Aufenthaltsqualität können auch Dorfläden sorgen, auf die in Zusammenhang mit der Nahversorgung aufmerksam gemacht wurde. Das Gegenbeispiel sind Supermärkte, die am Ortsrand neu gebaut werden und so für mehr Verkehr sorgen.

Ein Gemeinderat sprach sich explizit für einen Mobilitätswandel aus und warb für Sharingkonzepte, bei denen bis zu fünf Familien das Zweitauto einsparen können. Im Chat wurden Best-Practice-Beispiele aus den Landkreisen Ebersberg und Starnberg verlinkt. Zudem wurden Ideen für einen besseren ÖPNV auf dem Land gefordert. Ein Hemmnis im Dachauer Land ist die Landkreisgrenze zu Schwaben und dazu wurde der Ausbau der S-Bahnlinie zur Nachbarkreisstadt Aichach erwähnt. Ein weiterer Vorschlag ist die Einrichtung von „Mobilitätshubs“, um eine möglichst nahtlose Verknüpfung von Verkehrsmitteln in der Region zu etablieren. Solche Mobilitätsstationen verfolgt bereits der Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck. Ausführlicher wurde über den Radverkehr gesprochen. „Auch in den Orten sollte es Radwege geben“, lautete ein Vorschlag und es wurde darüber gesprochen, wie das Radfahren sicher gemacht werden kann. Lob gab es für das Lastenradsharing des ADFC Dachau. Das ist eine umweltfreundliche und kostenlose Alternative zum Auto, wenn große Einkäufe transportiert werden müssen. In Zukunft sollten in den Gemeinden daher auch Abstellplätze für Lastenräder vorgesehen werden, wurde angeregt. Unterschiedlich hingegen wurden die Radwege im Landkreis eingeschätzt und ein Teilnehmer mahnte an, den Radwegeausbau voranzutreiben. Für den Bau ist man jedoch auf private Grundstücke angewiesen, die man nicht sofort erwerben kann.

Letzter Schwerpunkt war das Thema Energie. Aus Schwabhausen wurde über Bemühungen berichtet, ein eigenes Wärmenetz aufzubauen sowie Einfluss auf das Stromnetz zu bekommen, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Aktuell gibt es auch zeitliche Verzögerungen bei der Inbetriebnahme von Fotovoltaikanlagen und Batteriespeichern, war ein weiterer Hinweis. Zukünftiges Potenzial wird in der Vermarktung von Regionalstrom gesehen. Über LEADER könnte ein strategisches Regionalstrom-Vermarktungskonzept entwickelt werden, mit dem die hiesigen Betreiber von Biogas- und Fotovoltaikanlagen ihren produzierten Strom an Haushalte und Unternehmen in der Region verkaufen können, wurde zum Schluss festgehalten.

Weiter geht es am Mittwoch, den 11. Mai um 18:00 Uhr mit der Strategiewerkstatt inklusive Mandatsträgerkonferenz im Hotel-Gasthof-Groß, Mühlstraße 2, 85232 Bergkirchen.

Die Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung und -prognose können hier angeschaut werden.