Bericht 2. Online-Konferenz – Zukunft der Kulturlandschaft

„Miteinander reden, voneinander lernen und gemeinsam die Dinge besser machen“, lautete der zentrale Ansatz, der bei der 2. Onlinekonferenz am 16. März für die Zukunft der Kulturlandschaft herausgearbeitet wurde. Neben der Auseinandersetzung mit einer resilienten Entwicklung der LEADER-Region Dachau-AGIL wurden diesmal auch gleich konkrete Projekte vorgeschlagen, die bereits greifbar sind und die mithilfe des LEADER-Förderprogramms umgesetzt werden können, freute sich der Vorsitzende der LEADER-Aktionsgruppe, Bürgermeister Marcel Fath.

Sehr wohl kann das Dachauer Land als besondere Kulturlandschaft bezeichnet werden und zu Beginn der Diskussionsrunde wurden Elemente wie Städte, Dörfer und die Flüsse, die Mooslandschaft (Niedermoore) sowie die Landwirtschaft hervorgehoben. „Gegenüber früher ging aber auch viel verloren“, wurde jedoch mit Blick auf den Verlust der Artenvielfalt bemängelt und auf die stark anwachsende Inanspruchnahme von Ressourcen durch die Siedlungsflächen und den Verkehr in den letzten Jahrzehnten verwiesen.
Für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturlandschaft setzen sich der hiesige Landschaftspflegeverband und der Verein Dachauer Moos ein. Eine wichtige Rolle spielen auch die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine, wurde als weitere Stärke notiert. Über das LEADER-Förderprogramm ist ein Kooperationsprojekt zu Blühflächen angestoßen worden und bei den neu entstandenen Jugendplätzen kamen autochthone, also heimische Pflanzenarten zu Einsatz, wurde ergänzt.

Zukünftiges Entwicklungspotenzial sieht eine Teilnehmerin in der Würm, die vom Starnberger See in die Amper fließt, sowie insbesondere in den Gewässerrandstreifen, die laut bayerischem Naturschutzgesetz seit 2019 nicht mehr ackerbaulich genutzt werden dürfen. Eine wichtige Grundlage können dafür die Gewässerentwicklungskonzepte sein, die in vielen Gemeinden bereits vorliegen. In Kombination mit den Waldrändern, die ebenfalls über eine Initiative des Landkreises aufgewertet werden sollen, kann so ein wichtiger Biotopverbund zugunsten der heimischen Arten gelegt werden, wurde dieser Vorschlag aufgegriffen und erweitert. Dabei müssen die Grundstückseigentümer einbezogen werden, wurde hingewiesen.

Ausführlicher wurde über die Bedeutung der Landwirtschaft in der Region diskutiert und festgehalten, dass die Böden hier fruchtbar sind und sich für eine Bewirtschaftung eignen. Belegt werden kann das mit Zahlen des Landesamtes für Statistik, wonach das Dachauer Land zu den Landkreisen in Bayern gehört, wo der Anteil der Landwirtschaftsfläche an der Gebietsfläche am höchsten ausfällt. 2020 lag er bei über 65 Prozent, was einer Fläche von 37.837 Hektar entspricht (Gesamtfläche Landkreis Dachau 2020: 57.915 Hektar). Und im Vergleich zum Jahr 2014 hat die Landwirtschaftsfläche nur 115 Hektar eingebüßt. Mit Blick auf die Zukunft war den Teilnehmern wichtig, dass Naturschutz und Landwirtschaft nicht gegeneinander ausgespielt werden: „Resilienz in der Fläche funktioniert nur mit der Landwirtschaft“, wurde dazu formuliert und gewünscht, dass Naturschutz, Landwirtschaft und landwirtschaftliche Beratung gemeinsam ins Gespräch zu kommen und voneinander lernen, zum Beispiel über eine Vortragsreihe oder einen Runden Tisch Landwirtschaft. Relevant ist dies vor allem bei den Flächen des Dachauer Mooses, wo mehrere Teilnehmer für eine nachhaltige, standortangepasste Bewirtschaftung, den Schutz des Mooses und den Klimaschutz warben, aber noch Interessenskonflikte zu den Flächeneigentümern bestehen, weil eine Umstellung für die Landwirte nicht einfach ist.

Als zusätzliche Projektidee wurde eine Bodenallianz angeregt, um durch Information und Praxisaustausch das Bewusstsein zu schärfen und einen Verlust des Bodens zu verhindern. Weitere Möglichkeiten für die LEADER-Region liegen in Agroforstsystemen, bei denen die landwirtschaftliche Produktion mit dem Anbau von Bäumen oder Sträuchern auf derselben Fläche so kombiniert wird, dass sich auch Vorteile für die Natur und das Klima ergeben. Darüber hinaus wurde die Anschaffung ein Wiesenernters vorgeschlagen, mit dem eigenes Saatgut gewonnen werden kann.

Weiterer Diskussionspunkt war der Wald, der nur rund 16 Prozent der Landkreisfläche ausmacht und sich oft in Privatbesitz befindet. „Jedoch haben wir im Kleinprivatwald in Bayern die höchsten Holzvorräte und nur durch das Absenken der Vorräte entsteht genug Licht, um Mischbaumarten anzupflanzen“, erklärte eine Försterin auch mit Blick auf Klima- und Artenschutz. Sie empfahl deshalb, das regionale Holz verstärkt zu nutzen, beispielsweise um Häuser aus Holz zu bauen oder für eine Hackschnitzelheizung. Bereits in Vorbereitung über LEADER ist ein Waldererlebnispfad, der am Petersberg in der Nähe von Erdweg umgesetzt werden soll und für die Grundschule Röhrmoos wird das erste Waldklassenzimmer des Landkreises gestaltet. Eine weitere Idee stellte der Kreisjugendring vor: Einen Naturlebnisplatz, um die Kinder und Jugendlichen aus dem Landkreis wieder stärker mit der Natur in Kontakt zu bringen. Außerdem laufen bereits die Planungen für ein Naturerlebnis-Camp. Zum Schluß schlug ein Teilnehmer noch einen Bienenlehrpfad vor.

Die nächste Onlinekonferenz findet am Montag, den 28. März von 19:00 bis 20:30 Uhr statt. Dann stehen die Themen Daseinsvorsorge und Mobilität auf der Tagesordnung. Wer teilnehmen möchte, kann sich wieder auf dem LEADER-Blog unter https://leader-blog-dachau-agil.de/anmeldung-online-konferenz-3/